Inhalt

In fünf Episoden erlebbar zu machen, wie es sich anfühlt, dem Leben zu folgen mit allen Höhen und Tiefen, ist unser Ziel – ein emotionaler und erlebnishafter Zugang steht im Vordergrund. Deshalb wollen wir ausdrücklich keinen Dokumentarfilm. Wir wollen nicht argumentieren. Wir wollen berühren, lächeln machen, inhaltlich überraschen und zum Selbstdenken anregen. Die Episoden behandeln das Thema indirekt. Sie sind jazzig-lakonisch, auch skurril, poetisch. So imprägniert die eher zurückgenommene Erzählweise den Film gegen die Gefahr des Missionarischen oder Ideologischen.

 

Wenn junge Menschen ihren Interessen folgen könnten - was würden sie alles lernen!?
Der entwaffnend-naive NURI (8) fährt bei seinem Vater im Taxi mit und unterhält die Fahrgäste;
die zielstrebige SASKIA (24) forscht an einem Schlafmittel und kämpft um die Anerkennung desselben;
der verträumte LOVIS (14) spielt Tischtennis im Park und verliebt sich in Soljanka;
MAX (15) malt Waschmaschinen beim Schleudern und verzettelt sich;
während bei JANNE (15) das Schicksal zur Feldforschung über Familie führt.
‹Caraba› erzählt von Vertrauen - in sich selbst und die Menschen um einen herum.

 

Als Jannes Vater ihr offenbart, wer eigentlich ihre Mutter ist, macht sie sich – zuerst noch als Flucht – auf den Weg, herauszufinden, was es also mit Herkunft, Familie und Beziehungen auf sich hat. Ein Passant, mit dem sie ins Gespräch kommt, nennt es Feldforschung. Bei einem Radiosender kann sie ihre Forschung schließlich einbringen.

Mancher wundert sich beim Einsteigen ins Taxi über Nuri auf dem Beifahrersitz. Aber er gehört nun mal dazu. Es besteht kein Zweifel, dass er in zehn Jahren seinen Plan realisiert haben wird: Rabatt-Taxis, in denen man den Preis ermäßigt bekommt, wenn man dem Fahrer unterwegs Schwedisch beibringt oder wie man Steuern spart. Sein Vater dagegen erhofft sich etwas anderes.

Schon viele Jahre beschäftigt Eva das Thema Schlafen. Dabei hat sie irgendwann entdeckt, dass eine Mischung zweier bestimmter Pflanzen eine spezielle Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel hat. Mit der Unterstützung eines Arztes und ersten Probanden experimentiert sie.

Währenddessen begegnet Paul zwischen Plattenbauten den zwei Menschen, die ihm helfen, zu entdecken, wer er ist und was er kann. Zum einen die taffe Soljanka. Dass Paul nicht richtig lesen und schreiben kann, hält sie für einen unhaltbaren Zustand, schließlich will sie Liebesbriefe von ihm bekommen. Der andere Mensch ist der pensionierte Studienrat Hermann, der beim Tischtennisspielen Pauls Freundschaft gewinnt und Talente von ihm entdeckt.

Max wiederum, ein Multipotential, der aktuell (unter anderem) die fixe Idee hat, Maler zu werden, lauscht im Kunstmuseum einer Führung des Studenten Christoph. Sie kommen ins Gespräch und Christoph wird ein Mentor für Max. Sie zeichnen und vergleichen Plastiken. Dabei merkt Christoph, wie erstaunlich begabt Max darin ist, Stile zu unterscheiden – während sich dessen tatsächlich künstlerische Eigenbegabung eher in Grenzen hält.

 

Am Ende wird Max sich in London die Tate Modern ansehen, dort in der Musikszene tummeln und Bands promoten. Janne wird einen Radiobeitrag zum Thema Familie produzieren und Soziologie studieren. Paul beendet nach drei Jahren seine Ausbildung in der Uhrmacherwerkstatt und schreibt Soljanka endlich einen Liebesbrief. Eva lehnt ein Stipendium in Baltimore ab und macht erst mal eine Weltreise. Und Nuri? Fährt selbstverständlich Taxi.

 

INNEN / KEIMZELLE / TAG

„Keimzelle“ - ein feststehender Name einer Bildungsbörse. Bei den Sitzbänken auf
der Empore sind PC-Plätze montiert. Überall an den Backstein-Wänden stehen Bücherregale wie
in einer Bibliothek. JANNE (15) kommt rein und geht zielstrebig zum Tresen.

JANNE
Hallo. Ich habe eben erfahren, dass ich nicht die Tochter meiner Mutter bin. Was wäre das für
ein Schulfach?

BERATER 1
Oh. - Vielleicht Biologie?

JANNE
Ich dachte, das gerade nicht.

BERATER 1
Alex, kommst du mal?

Ein weiterer Berater tritt hinzu.

JANNE
Ich dachte eher an sowas wie Ethik. Ich wurde ja sozusagen belogen.

BERATER 2
Ethik ist alles.

JANNE
Na toll.

BERATER 1
(zum Kollegen)
Vielleicht Geschichte? Sie muss ja jetzt praktisch ihre Geschichte umschreiben.

JANNE
Will ich aber nicht.

Die beiden Berater beraten sich jetzt, was es für ein Schulfach sein könnte.

BERATER 2
Vielleicht Sport?

BERATER 1
Wieso denn Sport?!

JANNE
(zu den Beratern)
Ich seh schon, ihr seid tendenziell überfordert.

BERATER 1
Ja, es ist wohl am besten, wenn du dich selbst schlau machst.